Was ist Snapchat? Ab wann erlaubt, Risiken und Einstellungen für Eltern
Was ist Snapchat, ab wann ist die App erlaubt und wo liegen die Risiken – von verschwindenden Snaps über die Snap Map bis zu Kontakten mit Fremden? Hier finden Eltern die Altersregeln, das Family Center und die wichtigsten Einstellungen für mehr Privatsphäre.

Wer fragt „Was ist Snapchat?“, bekommt die kurze Antwort: eine Foto- und Messenger-App, in der Bilder und Videos – die sogenannten Snaps – nach dem Ansehen standardmäßig verschwinden. Erlaubt ist Snapchat laut Anbieter Snap ab 13 Jahren, der deutsche Google Play Store nennt „USK ab 12 Jahren“, der App Store „13+“. Hier lesen Sie, welche Risiken es gibt, was das Family Center Eltern zeigt und welche Einstellungen die Privatsphäre Ihres Kindes schützen.
Was ist Snapchat?
Anders als die meisten Messenger öffnet sich Snapchat direkt mit der Kamera. Ein Tippen auf den Auslöser macht ein Foto; wer ihn gedrückt hält, nimmt ein Video auf. Danach lassen sich Text, Sticker oder Musik hinzufügen. Die wichtigsten Funktionen im Überblick:
- Snaps: Fotos oder Videos, die an Freunde gehen. Haben alle Empfänger sie geöffnet, werden sie standardmäßig von den Servern gelöscht, ungeöffnete Snaps nach 31 Tagen.
- Chat: Textnachrichten, Sticker, Sprach- und Videoanrufe sowie Gruppenchats. Auch Chats löscht Snapchat standardmäßig, und Absender sehen, ob ein Snap geöffnet wurde.
- Storys: Snaps, die standardmäßig für alle Freunde sichtbar sind und normalerweise nach 24 Stunden verschwinden.
- Spotlight: ein Bereich mit kurzen Videos aus der Community. Snap moderiert diese Videos nach eigenen Angaben proaktiv, mit Prüfung durch Menschen und Software.
- Snap Map: eine Karte, auf der man Orte entdeckt und – wenn man es einschaltet – seinen Standort mit Freunden teilt.
- Flammen: so heißen auf Deutsch die Snapstreaks. Schicken sich zwei Personen mindestens einmal am Tag gegenseitig Snaps, bekommen sie eine Flamme, daneben steht die Zahl der Tage.
- My AI: ein KI-Chatbot im Chatbereich, der laut Snap auf Sprachmodellen von OpenAI und Google basiert.
Wie beliebt die App ist, zeigt die aktuelle JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest: 56 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen nutzen Snapchat mindestens mehrmals pro Woche. Damit liegt die App hinter WhatsApp und Instagram, aber vor TikTok. Besonders verbunden fühlen sich laut Studie die 14- bis 17-Jährigen mit Snapchat und TikTok.
Ab welchem Alter ist Snapchat erlaubt?
Ab wann ist Snapchat erlaubt? Maßgeblich sind die Nutzungsbedingungen von Snap: Der Dienst richtet sich nicht an Kinder unter 13 Jahren. Bei der Anmeldung muss man sein Geburtsdatum angeben und bestätigen, dass man alt genug ist. Erfährt Snap, dass ein Kind jünger ist, wird das Konto gesperrt beziehungsweise gelöscht. Daneben kursieren weitere Altersangaben, die Eltern oft verwirren:
| Regel oder Quelle | Altersangabe |
|---|---|
| Nutzungsbedingungen von Snap | ab 13 Jahren |
| Google Play Store (Deutschland) | USK ab 12 Jahren |
| Apple App Store (Deutschland) | 13+ |
| Family Center | Jugendliche von 13 bis 17 Jahren, Eltern ab 18 |
| Öffentliches Profil | nur für 16- und 17-Jährige, standardmäßig ausgeschaltet |
| Einwilligung in die Datenverarbeitung nach DSGVO | ab 16 Jahren, darunter mit Zustimmung der Eltern |
Die Zahl 16 sorgt dabei oft für Missverständnisse. Sie stammt aus der Datenschutz-Grundverordnung: Stützt ein Online-Dienst die Verarbeitung der Daten eines Kindes auf dessen Einwilligung, ist diese erst ab 16 Jahren wirksam, vorher müssen die Eltern zustimmen. Deutschland hat diese Grenze nicht abgesenkt. Die Regel betrifft aber die Einwilligung, nicht die Frage, ab wann ein Kind eine App nutzen darf. Snap nennt in seinem Datenschutzhinweis für Europa neben der Einwilligung weitere Rechtsgrundlagen, etwa den Vertrag und berechtigte Interessen. Auf seinen deutschsprachigen Elternseiten gibt Snap 13 Jahre als Mindestalter an.
Eine zuverlässige Altersprüfung gibt es laut klicksafe nicht. Umso wichtiger ist es, dass Ihr Kind sein echtes Geburtsdatum einträgt: Nur dann greifen die Schutzfunktionen für Jugendliche. Jugendliche zwischen 13 und 17 können ihr Geburtsjahr später nicht so ändern, dass sie volljährig erscheinen. Für 13- bis 15-Jährige führt Snap außerdem schrittweise ein Profil ein, das nur gegenseitig bestätigte Freunde sehen. Spotlight-Videos, die auch Nicht-Freunde sehen, können sie dann nicht mehr veröffentlichen.
Ob Ihr Kind mit 13 schon bereit für Snapchat ist, bleibt eine Erziehungsfrage. Sinnvoll ist ein gemeinsamer Start: Konto zusammen anlegen, Einstellungen durchgehen, das Family Center verbinden und Regeln vereinbaren. Auch die Initiative SCHAU HIN! rät, die Funktionen der App zu kennen, mit dem Kind über Risiken zu sprechen und gemeinsame Regeln festzulegen.
Risiken: verschwindende Nachrichten, Snap Map und Fremde
Snapchat ist in erster Linie eine App, um mit Freunden zu kommunizieren. Einige Funktionen bringen aber typische Risiken mit sich.
Verschwindende Nachrichten sind nicht sicher weg
Dass Snaps verschwinden, vermittelt leicht das Gefühl, man könne alles verschicken. Snap weist jedoch selbst darauf hin, dass Empfänger Inhalte jederzeit per Screenshot speichern können. Gespeicherte Nachrichten bleiben außerdem länger im Chat erhalten. Die EU-Initiative klicksafe nennt deshalb Sexting, Mobbing und Erpressung als typische Gefahren: Ein Bild, das einmal weitergeleitet wurde, lässt sich kaum zurückholen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, ohne ihm Angst zu machen. Und falls es bereits wegen eines Bildes unter Druck gesetzt wird, hilft unser Ratgeber Sextortion: Was tun, wenn Ihr Kind erpresst wird.
Snap Map: Wer sieht den Standort?
Die Standortfreigabe auf der Snap Map ist für alle Nutzer standardmäßig ausgeschaltet und lässt sich nur mit Freunden teilen. Schaltet Ihr Kind sie ein, sehen diese Freunde, wo es sich aufhält. Wie lange der Standort sichtbar bleibt, hängt von der Standortberechtigung des Handys ab: Bei „Nur bei Nutzung“ verschwindet er laut Snapchat-Hilfe nach 24 Stunden, bei „Immer“ bleibt er sichtbar, bis die Freigabe beendet wird. Beiträge von Jugendlichen auf der Karte zeigen laut Snap keinen Nutzernamen an.
Kontakte zu Fremden
Für Jugendliche hat Snap mehrere Schutzschichten eingebaut. Ihre Konten sind standardmäßig privat, und chatten können nur Personen, die sich gegenseitig als Freunde bestätigt haben oder als Telefonkontakt gespeichert sind. In der Suche und in den Vorschlägen unter „Freunde finden“ tauchen Jugendliche nur auf, wenn es Hinweise auf eine bestehende Verbindung gibt, etwa mehrere gemeinsame Freunde. Freundschaftsanfragen an oder von Jugendlichen ohne gemeinsame Freunde verzögert und prüft Snap nach eigenen Angaben. Schreibt jemand ohne gemeinsame Freunde, der auch nicht in den Kontakten steht, erscheint eine Warnung, die zum Nachdenken auffordert.
Ganz ausschließen lassen sich unerwünschte Kontakte trotzdem nicht, zum Beispiel wenn Ihr Kind Anfragen von Unbekannten annimmt. Woran Sie problematische Annäherungen erkennen, erklärt unser Beitrag Cybergrooming: Warnzeichen erkennen und richtig handeln.
Flammen und der Druck, täglich zu snappen
Flammen belohnen tägliche Aktivität. Erscheint neben einem Chat eine Sanduhr, läuft die Flamme bald ab. Laut JIM-Studie nutzen 39 Prozent der jugendlichen Internetnutzer die Funktion mindestens einmal täglich. Die Forscher zählen sie zu den Belohnungsmechanismen, die häufige Aktivität in einer App erfordern. Wenn Ihr Kind sich verpflichtet fühlt, täglich zu snappen, kann ein entspanntes Gespräch darüber helfen, wer hier den Takt vorgibt.
My AI: Chatbot mit Grenzen
My AI antwortet wie ein Gesprächspartner, ist aber eine Software. Snap schreibt selbst, dass die Antworten falsch, schädlich oder irreführend sein können, und rät, keine vertraulichen oder sensiblen Informationen zu teilen. Was man My AI schickt, speichert Snap, bis man es löscht. Eltern können den Chatbot für ihr Kind über das Family Center deaktivieren.
Family Center: Was Eltern sehen können – und was nicht
Das Family Center ist das Elternwerkzeug von Snap und direkt in die Snapchat-App eingebaut. Es ist für Eltern ab 18 Jahren und Jugendliche zwischen 13 und 17 gedacht. Sie brauchen dafür ein eigenes Snapchat-Konto. So richten Sie es ein:
- Snapchat installieren, ein Konto anlegen und Ihr Kind über seinen Benutzernamen als Freund hinzufügen.
- Das Family Center öffnen: im eigenen Profil im Bereich „Meine Freunde“ oder über das Zahnrad unter „Einstellungen“ im Abschnitt „App & Datenschutz“. Alternativ „Eltern“ oder „Familie“ in die Suche eingeben.
- Ihr Kind aus der Freundesliste auswählen und auf „Einladung senden“ tippen.
- Ihr Kind erhält die Einladung als Chatnachricht und muss sie annehmen. Weil Chats verschwinden können, sollte es das zeitnah tun.
| Bereich | Was Sie sehen oder einstellen können |
|---|---|
| Freunde | die Freundesliste und neu hinzugefügte Freunde, mit Hinweisen wie „In Kontakten“ oder der Zahl gemeinsamer Freunde |
| Letzte Gespräche | mit wem Ihr Kind in den letzten 7 Tagen gechattet hat, auch in Gruppen |
| Zeitaufwand | durchschnittliche Zeit pro Tag in der vergangenen Woche, aufgeteilt nach Nachrichten, Kamera, Spotlight und Storys sowie Karte |
| Standort | eine Standortanfrage an Ihr Kind; erst wenn es zustimmt, sehen Sie seinen Live-Standort, auf Wunsch mit Benachrichtigung, wenn es an gespeicherten Orten ankommt oder sie verlässt |
| Inhalte | ein Schalter, der sensible Inhalte zum Beispiel in Storys und Spotlight ausblendet |
| My AI | den Chatbot für Ihr Kind deaktivieren |
| Käufe | „Käufe verwalten“ führt zu den Kindersicherungen von Apple oder Google |
| Melden | bedenkliche Konten vertraulich an Snap melden |
Was das Family Center nicht zeigt: den Inhalt der Nachrichten. Snap betont, dass Eltern sehen, mit wem ihr Kind chattet, ohne die Nachrichten zu lesen. Auch der Inhaltsfilter ist nicht lückenlos: Snap schreibt selbst, dass kein Filter perfekt ist. Und weil Ihr Kind die Einladung annehmen muss, ist das Family Center kein heimliches Kontrollinstrument, sondern eine Absprache in der Familie. Ausführliche Antworten finden Sie in der Snapchat-Hilfe zum Family Center.
Das Family Center blickt nur in Snapchat hinein. Wenn Sie zusätzlich sehen möchten, wie viel Zeit Ihr Kind auf seinem Android-Handy in Snapchat und anderen Apps verbringt, kann eine Kindersicherungs-App wie KidInspector helfen. Sie zeigt die Nutzungszeit in Apps, auch in Messengern, und erstellt Screenshots. Auf Android-Handys und Macs lassen sich Apps sperren; Versuche, eine gesperrte App zu öffnen, werden protokolliert. Für das iPhone gibt es KidInspector nicht. Setzen Sie solche Werkzeuge offen ein und sagen Sie Ihrem Kind, dass die App installiert ist und warum. Wie Sie ein Android-Gerät insgesamt absichern, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Kindersicherung für Android.

Snapchat-Nutzung auf dem Android-Handy im Blick
KidInspector zeigt Ihnen, wie viel Zeit Ihr Kind in Snapchat verbringt, und erstellt Screenshots. Auf Android und Mac können Sie Apps bei Bedarf sperren – am besten mit Wissen Ihres Kindes. Die Demo öffnet sich ohne Anmeldung.
Empfohlene Einstellungen für Snapchat
Die meisten Datenschutz-Einstellungen finden Sie in Snapchat über das Zahnrad im Profil unter „Einstellungen“ im Abschnitt „App & Datenschutz“. Gehen Sie die Punkte am besten gemeinsam mit Ihrem Kind durch, dann versteht es auch, wozu sie gut sind.
| Einstellung | Empfehlung |
|---|---|
| „Kontaktiere mich“ | auf „Freunde“ stellen, dann können nur bestätigte Snapchat-Freunde Ihr Kind kontaktieren; alternativ „Freunde und Kontakte“ |
| Wer die Story sehen darf | „Meine Freunde“ oder eine benutzerdefinierte Auswahl |
| Standort auf der Snap Map | Snap Map öffnen, auf das Zahnrad tippen und den „Geistmodus“ einschalten oder den Standort nur mit wenigen engen Freunden teilen |
| Standortberechtigung am Handy | Snapchat den Standortzugriff nicht auf „Immer“ erlauben |
| „Freunde finden“ | die Anzeige des eigenen Profils in den Vorschlägen ausschalten |
| Family Center | sensible Inhalte ausblenden, My AI bei Bedarf deaktivieren |
| Kontosicherheit | ein starkes Passwort wählen und die Zwei-Faktor-Authentifizierung einrichten |
| In-App-Käufe | über die Kindersicherung von Google oder Apple sperren oder nur mit Erlaubnis zulassen |
Technik ersetzt keine Absprachen. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es nur Menschen als Freunde hinzufügt, die es auch im echten Leben kennt, und sich nie allein mit einer Online-Bekanntschaft trifft. Zeigen Sie ihm, wie es in der App Personen blockiert und meldet. Und machen Sie klar, dass es mit allem zu Ihnen kommen kann, was ihm komisch vorkommt, ohne Ärger befürchten zu müssen. Wie Sie das Smartphone Ihres Kindes darüber hinaus einrichten, zeigt unser Überblick zur Kindersicherung auf dem Handy.
Häufige Fragen zu Snapchat
Laut den Nutzungsbedingungen von Snap ab 13 Jahren. Im deutschen Google Play Store trägt die App die Freigabe „USK ab 12 Jahren“, im App Store „13+“. Konten von Kindern unter 13 sperrt oder löscht Snap, wenn es davon erfährt.
Snapchat ist eine App zum Verschicken von Fotos, Videos und Nachrichten, die standardmäßig nach dem Ansehen gelöscht werden. Dazu kommen Storys, kurze Videos im Bereich Spotlight, die Snap Map mit optionaler Standortfreigabe, Flammen für tägliche Snaps und der Chatbot My AI.
Nein. Über das Family Center sehen Sie, mit wem Ihr Kind in den letzten sieben Tagen gechattet hat und wer neu in seiner Freundesliste ist, aber nicht, was geschrieben wurde. Das Family Center funktioniert außerdem nur, wenn Ihr Kind der Verbindung zustimmt.
Eine Flamme zeigt, dass zwei Personen sich an aufeinanderfolgenden Tagen gegenseitig Snaps geschickt haben, die Zahl daneben nennt die Tage. Eine Sanduhr warnt, dass die Serie bald abläuft.
Ja, über das Family Center: Öffnen Sie es, tippen Sie auf „Einstellungen“ und aktivieren Sie den Schalter, der My AI deaktiviert. Danach antwortet der Chatbot Ihrem Kind nicht mehr.
Bleiben Sie ruhig und machen Sie Ihrem Kind keine Vorwürfe, denn es hat richtig gehandelt, indem es sich Ihnen anvertraut hat. Notieren Sie den Benutzernamen, melden und blockieren Sie das Konto; über das Family Center können auch Sie Konten melden. Bei Drohungen, Erpressung oder sexuellen Annäherungen schalten Sie zuerst die Polizei ein und sprechen Sie das Blockieren mit ihr ab. Ihr Kind kann sich kostenlos und anonym an die Nummer gegen Kummer wenden (116 111, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr), Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0550.
Android, Windows und Mac in einem Dashboard
Mit KidInspector sehen Sie auf Android-Handys, Windows-PCs und Macs, welche Apps und Websites Ihr Kind nutzt, und verwalten alles über ein Web-Dashboard. Ein Konto zu erstellen ist kostenlos.



